Nicht laut, aber wirksam: Warum internationale Zusammenarbeit in Kärnten funktioniert
Wenn man mit Daniela Stein spricht, merkt man schnell, was sie antreibt. Es geht ihr nicht um Programme oder Schlagworte. Es geht ihr darum, Menschen zusammenzubringen: „Internationale Netzwerke entstehen heute oft in anonymen Metropolen, auf großen Bühnen und in standardisierten Formaten. Doch echte Zusammenarbeit braucht mehr als Sichtbarkeit – sie braucht Vertrauen.“
Als leidenschaftliche Netzwerkerin achtet Daniela Stein genau darauf, wo Begegnung entsteht und wo sie fehlt. Und diese Lücken beklagt die die Gründerin und Geschäftsführerin des Business Frauen Centers Kärntens nicht, sondern nutzt sie – unter anderem mit der Messe BFC Future Expo. Die BFC Future Expo in Kärnten ist dabei mehr als eine klassische Wirtschaftsmesse. Sie ist ein kuratierter Begegnungsraum für Unternehmer:innen, Führungskräfte, Gründer:innen und internationale Partner:innen, die gemeinsam an Zukunftsthemen arbeiten wollen. Neben internationalen Keynotes und Slots von namhaften Unternehmen setzt das Format auf Dialog, Co-Creation und konkrete Zusammenarbeit. Themen wie Leadership, Diversität, Innovation und nachhaltiges Wirtschaften stehen im Mittelpunkt – immer mit dem Anspruch, aus Impulsen tragfähige Netzwerke und Projekte entstehen zu lassen.
Ein Standort ohne Großstadtmechanik
Dass dieses Format in Kärnten so gut funktioniert, liegt für Daniela Stein an einer Besonderheit des Standortes: „Kärnten ist kein urbanes Kraftzentrum wie Wien oder München, kein Ort mit permanentem Eventbetrieb. Aber genau das eröffnet hier Raum für neue Ideen und Angebote für international geprägte, offene Zielgruppen.“
Hinzu kommt die geografische Lage Kärntens im Dreiländereck und die historische Verbundenheit der Regionen. „Da ist unglaublich viel Potenzial“, weiß Daniela Stein. Die BFC Future Expo sieht sie daher als Treffpunkt für Menschen, die international arbeiten, unternehmerisch denken und Lust haben, über Grenzen hinweg ins Gespräch zu kommen. „Wir bieten dafür den Raum und laden alle ein, mitzuarbeiten. Die Veranstaltung ist community-driven und offen für alle. Der International Corner bietet eine Meet & Match Area und die Keynotes in englischer Sprache.“
Daniela Stein
„Kärnten ist ein Ort, an dem man nicht nur arbeitet, sondern auch Familie gründen kann und Kinder gut aufwachsen sieht. Die schnelle Verbindung in urbane Hotspots durch die Koralmbahn ergänzt die beruflichen Chancen – und schafft einen Ausgleich zwischen Lebensqualität und Dynamik.“
Foto: Sadnikar
Blick aus Deutschland: Nähe schafft Verbindlichkeit
Eine, die diesen Zugang sofort erkannt hat, ist Tina Ruseva. Die Gründerin und CEO der Mentoring-Plattform Mentessa, Expertin für Teamkultur und Autorin arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von Leadership, Diversität und Netzwerken in Deutschland und international. Große Formate, große Bühnen und komplexe Ökosysteme kennt die er-folgreiche digitale Unternehmerin daher gut. Gerade deshalb ist interessant, warum Kärnten für sie heraussticht: „Gemeinschaft ist hier spürbar Teil des Alltags. Die landschaftliche Schönheit, die hohe Lebensqualität und die Lage zwischen mehreren Ländern schaffen eine Offenheit, die Begegnungen erleichtert“, berichtet sie von ihren Erfahrungen. „Menschen kommen hier schneller miteinander ins Gespräch. Nicht aus Pflicht, sondern aus Interesse.“
Der Unterschied zu Deutschland liege weniger im Anspruch als in der Art, wie Netzwerke entstehen. „Hier funktionieren sie stärker über persönliche Nähe und gemeinsame Werte. Weniger formal, aber sehr verbindlich.“ Bei der BFC Future Expo habe sie erlebt, wie aus Gesprächen rasch konkrete Ideen werden. „Man merkt, dass Menschen Verantwortung für ihren Standort übernehmen wollen. Das ist Unternehmergeist.“ Was sie davon mitnimmt, ist für sie wertvoller als eine reine Sammlung von Kontakten: „Ich nehme Haltung mit: die Erfahrung, dass Zusammenarbeit dann am wirksamsten ist, wenn sie auf Vertrauen und Wertschätzung basiert.“
„Vernetzung ist zu einer Schlüsselkompetenz geworden. In einer beschleunigten Arbeitswelt entstehen Lösungen immer häufiger gemeinsam – über Disziplinen, Branchen und Hierarchien hinweg. Kärnten zeigt, wie internationale Offenheit, Werteorientierung und Gemeinschaft zusammenspielen können – und wie daraus nachhaltige Zusammenarbeit entsteht.“
Foto: Mentessa GmbH
Blick aus Italien: Verlässliche Kooperationen im Alpen-Adria-Raum
Auch Paola Strozzi hat von diesem Ansatz profitiert: „Auf der BFC Future Expo ging es nicht um Selbstdarstellung, sondern um Austausch. Um Inspiration und um neue Verbindungen.“ Die gebürtige Italienerin ist Honorarkonsulin für Italien in Klagenfurt und betreut mit der RK&P Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung GmbH zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem italienischen Raum. Die historische Verbundenheit im Alpen-Adria-Raum sei bis heute spürbar. Entscheidender ist aus ihrer Sicht aber, dass Institutionen, Wirtschaft und Forschung hier aktiv zusammenarbeiten: „Kärnten punktet vor allem durch kurze Wege, direkte Kontakte und eine starke Verbindung zwischen Wirtschaft, Forschung und Startups. Das erleichtert Kooperationen enorm.“ Mit Orten wie dem Lakeside Science & Technology Park und Schwerpunkten in Bereichen wie KI, Green Tech, Drohnen, Robotics und Logistik biete die Region dafür ideale Voraussetzungen.
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten seien persönliche und gut zugängliche Netzwerke wichtig. „Man spürt hier echte Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Kärnten ist ein guter Partner, wenn es darum geht, europäische Märkte gemeinsam weiterzuentwickeln“, sagt Paola Strozzi.
Paola Strozzi
„Kärnten überzeugt durch Offenheit, starke Forschungs- und Innovationsstrukturen sowie internationale Vernetzung.“
Blick aus Slowenien: Dynamik durch Überschaubarkeit
Karmen Zagar, Gesellschafterin der FOOD.com Gruppe mit Standorten in Österreich, Slowenien und Kroatien, beschreibt den Standort ebenfalls zuerst über seine Größe – oder genauer gesagt über das, was daraus entsteht: „Die Strukturen sind überschaubar. Das ermöglicht einen direkten Dialog zwischen Handel, Produzenten, Start-ups und Innovationspartner:innen.“ Im Vergleich zu stärker zentralisierten Märkten seien Netzwerke hier weniger fragmentiert. „Man trifft in Kärnten schneller die richtigen Menschen und Gespräche führen schneller zu konkreten Projekten. Gleichzeitig ist Kärnten durch seine geografische Lage und internationale Ausrichtung ein natürlicher Brückenkopf zum Alpen-Adria-Raum – ein Vorteil, der den Austausch zwischen etablierten Unternehmen, regionalen Produzenten und internationalen Partnern besonders wirkungsvoll macht.“
Bei der BFC Future Expo habe sie genau diese Dynamik erlebt. „Mich hat überrascht, wie fokussiert und auf Augenhöhe hier gearbeitet wird. Aus Gesprächen sind rasch umsetzbare Ansätze entstanden.“ Für sie ist Kärnten ein Ort, an dem Ideen nicht lange zirkulieren, sondern ausprobiert werden: „Ein Entwicklungsraum, in dem wirtschaftliche Kooperationen wirklich entstehen.“
„Ich würde Kärnten als Standort für Kooperationen, Projekte und Netzwerke definitiv weiterempfehlen. Kärnten bietet eine einzigartige Mischung aus hoher Lebensqualität, guter Erreichbarkeit und einer offenen, dynamischen Wirtschafts- und Innovationslandschaft.“
Wirkung statt Größe
Alle vier Frauen sind sich einig, dass nicht die Eventdichte oder Standortgröße entscheidend ist, wenn es um Wirkung geht, sondern vielmehr Nähe und die Qualität der Beziehung. Oder wie Daniela Stein es pragmatisch formuliert: „Zukunft bewältigen wir nur gemeinsam. Kleine und große Unternehmen. Männer und Frauen. Über Branchen hinweg.“