Seit 2019 leitet Mag. art. Roland Streiner als Gründungsrektor die Gustav Mahler Privatuniversität für Musik (GMPU) in Klagenfurt am Wörthersee. Aus dem früheren Landeskonservatorium hervorgegangen, hat sich die GMPU in kürzester Zeit zu einer anerkannten Musikuniversität entwickelt. Im Interview spricht der gebürtige Klagenfurter, Sänger, Chorleiter, Komponist, Musikpädagoge und ehemalige Direktor des Kärntner Landeskonservatoriums über musikalische Exzellenz, internationale Talente – und warum die GMPU weit mehr ist als ein Ort zum Studieren: ein echter Standortfaktor für ganz Kärnten.
carinthia.com: Vor der Gründung der GMPU haben acht von zehn Absolvent:innen des Landeskonservatoriums Kärnten verlassen, um ihren Abschluss anderswo zu machen. Heute kommen Studierende aus 17 Nationen. Was hat sich verändert?
Roland Streiner: Der wesentliche Unterschied liegt im Angebot von akademischen Abschlüssen: Wir bieten heute BA- und MA-Abschlüsse in über 50 Studiengängen der Instrumental- und Gesangspädagogik sowie der musikalischen Aufführungskunst. Dazu betreiben wir wissenschaftlich-künstlerische und wissenschaftlich-pädagogische Forschung. Ergänzt wird das durch einen neuen Campus, neue Lehrformate und unseren „Entwicklungscluster Musik“ mit den Musikschulen Kärnten. Entscheidend ist, dass wir als Universität glaubwürdig das Ziel verfolgen, Talente zu Künstler*innenpersönlichkeiten zu formen. Durch unsere Verortung im Konzerthaus Klagenfurt bieten wir unmittelbare Bühnenerfahrung – wir sind eine „University on Stage“. Unsere Studierenden und Lehrenden schätzen außerdem besonders die familiäre Atmosphäre. Dies kombiniert mit höchster Ausbildungsqualität zeichnet die GMPU heute aus.
Welche Bedeutung hat das Kulturangebot für den Standort Kärnten?
Roland Streiner: Eine doppelte: Zum einen sind Kulturveranstaltungen selbst ein Wirtschaftsfaktor – gerade für Tourismus und Stadtentwicklung. Ich gehe auch davon aus, dass die Eröffnung der Koralmbahn – die die Landeshauptstädte Graz und Klagenfurt in 45 Minuten verbinden wird – Klagenfurt als Kulturstandort aufwerten wird. Zum anderen sind sie ein weicher Standortfaktor: Wer hier lebt, profitiert von hoher Lebensqualität und kultureller Vielfalt. Das ist auch für potenzielle Fachkräfte und Unternehmen, die sich in Kärnten ansiedeln möchten, ein starkes Argument.
Welchen Stellenwert nehmen Musik und die musikalische Ausbildung in Kärnten ein?
Roland Streiner: Einen sehr hohen. Kunst und vor allem die Musik spielen in Kärnten und der Alpen-Adria-Region eine starke Rolle. Wir leben hier im Schnittpunkt dreier Kulturen und verfolgen als GMPU einen Ansatz, den wir „360 Grad Musik“ nennen: Wir überschreiten kulturelle, künstlerische und geografische Grenzen, gerade weil wir sie schätzen und anerkennen. Wir stehen für Vielfalt, Internationalität und Diversität, die wir als Quellen künstlerischer Inspiration begreifen.
Was macht Kärnten als Studienort noch besonders attraktiv?
Roland Streiner: Kärnten war und ist für viele Künstler:innen Kraftquelle und Inspirationsort. Mahler, Brahms, Berg – sie alle zog es immer wieder an den Wörthersee. Auch Udo Jürgens, der ja in Kärnten aufwuchs und am Landeskonservatorium Kärnten seine Ausbildung genossen hat, wurde hier musikalisch geprägt. Die Einbettung Klagenfurts in eine wunderschöne Natur-, Seen- und Berglandschaft wertet uns als Studienort auf, weil junge Menschen neben dem Studium eine unglaubliche Vielfalt an Freizeitmöglichkeiten vorfinden.
Durch die Kärntner Hochschulkonferenz steht die GMPU in regelmäßigem Austausch mit der Universität Klagenfurt und der FH Kärnten. Inwiefern beflügeln sich die Hochschulen gegenseitig?
Roland Streiner: Wir stehen im engen Austausch und arbeiten an gemeinsamen Projekten – etwa beim Zertifikat „Hochschuldidaktik“, das die Qualität in der Lehre weiter verbessern soll. Als Leuchtturmprojekt gilt auch die Eröffnung einer Zweigstelle der Südosteuropagesellschaft im Herbst 2023 als Kooperation zwischen GMPU und Uni Klagenfurt. Wir können als Hochschulkonferenz natürlich auch Themen stärker in die Öffentlichkeit tragen, die für die weitere Entwicklung des Studienstandortes wichtig sind, wie etwa das Thema „Studierendenwohnungen“, wo wir gemeinsam für mehr leistbaren Wohnraum „trommeln“.
Gilt Kärnten auch im künstlerisch-kulturellen Bereich als Innovationsstandort?
Roland Streiner: Ja, und unser Haus steht genau dafür. Wir betreiben wissenschaftliche Forschung im Bereich Artistic Research (AR), also Forschung in und durch die Künste. Im Zentrum der AR stehen Kunstschaffende als involvierte Forschende, deren Praxis zentraler Teil der Methode ist. Wir verfolgen hier das Ziel, in den kommenden Jahren auch ein Doktoratsstudium anbieten zu können.
Die meisten Ihrer Professor*innen haben weltweites Renommée. Warum, glauben Sie, haben sie sich in Kärnten niedergelassen? Und sind auch sie Magneten, um junge Talente in die Region zu bringen?
Roland Streiner: Die Entscheidung, an einer bestimmten Musikuni zu studieren, hängt ganz wesentlich an den Lehrenden. Studierende suchen sich „ihre Professor*innen“, mit denen sie die nächsten entscheidenden Schritte in ihrer künstlerischen Entwicklung gehen wollen. Es braucht ein tiefes und verständnisvolles Vertrauensverhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden und ich glaube, wir können das bestmöglich anbieten. Die GMPU hat sich – und darauf dürfen wir stolz sein – für Lehrende zu einem attraktiven Arbeitsort entwickelt, und das in sehr kurzer Zeit.