Carinthia.com: Herr Dr. Fisler, wenn Sie die PH Kärnten in drei Sätzen beschreiben müssten: Welche Eigenschaften und Stärken stehen für Sie im Vordergrund?
Dr. Sven Fisler: Da möchte ich drei zentrale Aspekte hervorheben: Erstens unsere hohe Praxis- und Anwendungsorientierung auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, stets am Puls des gesellschaftlichen Wandels, zum Beispiel im Bereich der MINT-Fächer. Zweitens unseren Standort in der vielfältigen Alpen-Adria-Region, der Mehrsprachigkeit, transkulturelle und politische Bildung in den Fokus rückt. Und drittens unser humanistisches Menschen- und Gesellschaftsbild: Als einzige Viktor Frankl Hochschule Europas legen wir großen Wert auf autonomes Handeln, Verantwortungsübernahme und Sinnorientierung.
Welche Studienrichtungen und Schwerpunkte prägen das Profil der PHK besonders?
Dr. Sven Fisler: In einem Satz lässt sich das in der Formel „wir qualifizieren Menschen und entwickeln Systeme“ zusammenfassen. Unsere Studienangebote decken alle Bildungsbereiche ab, besonders Elementarpädagogik, Primarstufe, Sekundarstufe sowie Berufsbildung. Ein Alleinstellungsmerkmal der Pädagogischen Hochschulen in Österreich ist außerdem, dass wir nicht nur ausbilden, sondern auch Fort- und Weiterbildung anbieten sowie Schulen in ihrer Qualitätsentwicklung beraten und begleiten.
Wie trägt die PHK dazu bei, junge Menschen für den Lehrberuf zu gewinnen und in der Region zu halten?
Dr. Sven Fisler: Wir setzen auf Qualität, Unterstützung im Alltag und Sichtbarkeit des Lehrer:innenberufs als gesellschaftlich zentrale Profession. Wir müssen verständlich machen, was Lehrerinnen und Lehrer in der heutigen Zeit leisten, welchen besonderen Stellenwert sie haben und inwieweit sie unsere Zukunft maßgeblich mitgestalten. Außerdem setzen wir darauf, die Vielfalt dieser Region stärker sichtbar zu machen. Unsere Region ist durch ihre kulturelle und sprachliche Vielfalt sowie die geografische Lage im Alpen-Adria-Raum einzigartig.
Mit dem Umzug in den Lakeside Science & Technology Park im Herbst 2027 beginnt ein neues Kapitel. Sie selbst sprechen von einem „Aufbruch“. Was bedeutet dieser Schritt konkret für Studierende, Lehrende und die Region?
Dr. Sven Fisler: Es ist ein historischer Meilenstein für uns und die gesamte Bildungsregion. Wir ziehen mit über 160 Mitarbeitenden in zwei moderne Gebäude mit einem wunderbaren Innenhof und mehr als 30 Lehrveranstaltungsräumen. Die Nähe zur Universität Klagenfurt schafft einen Campus mit kurzen Wegen, studentischem Leben und vielfältigen Angeboten. Das wird sowohl die Qualität der Aus-, Fort- und Weiterbildung als auch die internationale Sichtbarkeit weiter stärken.
Welche Wirkung kann ein solcher neuer Campus für den Bildungsstandort Kärnten und die Alpen-Adria-Region haben?
Dr. Sven Fisler: Der Campus ist ein Alleinstellungsmerkmal. Nirgendwo sonst in Österreich gibt es eine derart enge Verzahnung an einem einzigen Standort in der Pädagogikbildung in naturnaher Umgebung, direkt am Wörthersee. Das wird Kärnten national und international als Bildungs- und Innovationsstandort stärken.
Welche Chancen entstehen durch die unmittelbare Nachbarschaft zur Universität Klagenfurt, den Lakeside Labs und zahlreichen Technologieunternehmen?
Dr. Sven Fisler: Schon jetzt gibt es viele Kooperationen, z. B. in MINT-Fächern. Der neue Standort ermöglicht einen noch intensiveren Austausch: Lehrende treffen sich zum Beispiel spontan auf dem gemeinsamen Campus mit Leuten aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Das klingt erst einmal banal, aber ist nicht zu unterschätzen. Gemeinsame Projekte entstehen schneller, neue Qualifizierungsformate können direkt entwickelt werden. Das motiviert alle Beteiligten und fördert Transferprozesse zwischen Wissenschaft, Schule und Wirtschaft.
Welche Synergien ergeben sich durch Partnerschaften mit Schulen, Unternehmen oder Kultur- und Bildungseinrichtungen in der Region?
Dr. Sven Fisler: Unsere gesamte Arbeit ist praxis- und anwendungsorientiert auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Wir entwickeln Fort- und Weiterbildungsangebote gemeinsam mit Schulen, holen ihre Bedarfe aktiv ein. Auch mit Unternehmen, sozialen Einrichtungen und Kulturbetrieben arbeiten wir z. B. in Tandem-Projekten. Studierende lernen so andere Lebenswelten kennen und können ihr eigenes Mindset weiterentwickeln.
Die PHK bietet nicht nur Studienprogramme, sondern auch umfassende Beratung und Weiterbildung. Welche Bedeutung haben diese beiden Bereiche für die Hochschule – und wie tragen sie dazu bei, Kärnten als Bildungsstandort zu stärken?
Dr. Sven Fisler: Wir begleiten Schulen bei ihrer Qualitätsentwicklung: von Fortbildungen bis hin zu Hochschullehrgängen. Unsere Expert:innen beraten vor Ort, wenn es etwa um Gewaltprävention oder Sprachförderung geht und eine Schule zum Beispiel noch wenig Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Diese enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis macht unsere Stärke aus und strahlt weit über die Region hinaus. Praxisorientierung bedeutet für uns also, dass wir unsere Angebote mit und für Lehrerinnen und Lehrer entwickeln. Das ist für uns Grundvoraussetzung, um adäquate Angebote zu schaffen, die dann auch umgesetzt werden können.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der PH Kärnten, und für die Region, in der sie verankert ist?
Dr. Sven Fisler: Ich wünsche mir, dass unsere Stärken noch sichtbarer werden – regional, national, international. Dafür braucht es ein bildungsfreundliches Klima und Rahmenbedingungen, die Innovationen ermöglichen. Innovationsfähigkeit heißt für mich, nicht nur innovativ zu sein, sondern damit auch in der Praxis wirksam zu werden. Entscheidend ist also, dass unser Wissenstransfer gelingt: von der Theorie in die Praxis. Nur so können Innovationen nachhaltig im Bildungswesen wirksam werden und unsere Zukunft ermöglichen.