Wollen Sie mehr über Infrastruktur, Logistik und Digitalisierung in Kärnten erfahren?
Dann laden Sie sich unser Whitepaper “Kärnten vernetzt: Infrastruktur, Logistik und Digitalisierung als Standortvorteil” herunter oder kontaktieren Sie uns!
Daten müssen dadurch nicht mehr zwingend über große Internetknoten in Städten wie Wien oder Frankfurt geleitet werden,
sondern können direkt in der Region ausgetauscht werden. Das verkürzt Datenwege, reduziert Latenzzeiten und erhöht die Stabilität digitaler Anwendungen.
Gleichzeitig stärkt ein solcher Netzknoten auch die digitale Souveränität, weil Daten stärker innerhalb Europas ausgetauscht werden können und weniger von einzelnen internationalen Infrastrukturpunkten abhängig sind.
Aber welche Rolle spielt es konkret, wenn Kärnten mit ALPSiX auf der internationalen Landkarte der Internetinfrastruktur sichtbar wird?
Welche Chancen ergeben sich daraus für Unternehmen?
Dazu gibt Alexander Windbichler, CEO des Cloud- und IT-Unternehmens Anexia, im Interview einen Einblick.
Tinefoto
„Mit dem Internetknoten ALPSiX wird Kärnten für datenintensive Unternehmen und digitale Geschäftsmodelle deutlich attraktiver.“
Carinthia.com: Herr Windbichler, Anexia ist heute ein international tätiges Cloud- und IT-Unternehmen. Warum spielt Kärnten als Standort für Ihr Unternehmen weiterhin eine wichtige Rolle?Alexander Windbichler: Wir investieren weiterhin bewusst in Kärnten, weil der Standort mehrere interessante Voraussetzungen verbindet. Der Alpen-Adria-Raum bildet eine Brücke nach Südosteuropa und nach Italien. Gleichzeitig gibt es mit Einrichtungen wie dem Lakeside Science & Technology Park in Klagenfurt ein starkes Technologie-Ökosystem. Mit Projekten wie dem neuen Internetknoten ALPSiX entstehen zudem wichtige digitale Verbindungen zu internationalen Netzwerken. Und nicht zuletzt spielt auch Energie eine Rolle: Kärnten verfügt über viel erneuerbare Energie, insbesondere Wasserkraft. Diese Kombination macht den Standort für uns weiterhin sehr attraktiv.
Wenn Unternehmen heute einen Standort prüfen – worauf achten sie bei der digitalen Infrastruktur besonders?
Alexander Windbichler: Ein wichtiger Punkt ist die Glasfaserinfrastruktur. Unternehmen wollen wissen, ob sie Zugang zu leistungsfähigen Glasfasernetzen haben und ob diese auch an internationale Datenrouten angebunden sind. Der zweite Punkt betrifft Rechenzentren. Wenn Unternehmen digitale Infrastruktur betreiben möchten, brauchen sie ausreichend Stromkapazitäten, Kühlung und geeignete Standorte für Rechenzentren. Und ein dritter Faktor sind Fachkräfte. Ohne qualifiziertes Personal lassen sich solche Infrastrukturen nicht betreiben.
Und wie beurteilen Sie diese Faktoren aktuell für Kärnten?
Alexander Windbichler: Kärnten hat hier sehr gute Voraussetzungen. Wir haben einen starken Mix an erneuerbarer Energie, insbesondere Wasserkraft, und zusätzlich Potenzial bei Windkraft und Photovoltaik. Durch die Lage im Alpen-Adria-Raum haben wir außerdem Zugang zu vielen qualifizierten Fachkräften. Und gerade in Mittelkärnten ist die Glasfaserinfrastruktur mit internationalen Trassen sehr gut ausgebaut. Insgesamt sind wir also gut gerüstet – wir müssen dieses Potenzial nur konsequent nutzen.
Welche Rolle spielt dabei der neue Internetknoten ALPSiX?
Alexander Windbichler: Ein Internet Exchange Point verbindet verschiedene Netzwerke direkt miteinander. Daten müssen dadurch nicht mehr über große Umwege durch andere Städte laufen, sondern können direkt ausgetauscht werden. Mit ALPSiX bedeutet das konkret: Daten aus Kärnten müssen nicht mehr zwingend über Wien oder Frankfurt laufen. Dadurch entstehen kürzere Datenwege, geringere Latenzzeiten und eine stabilere Infrastruktur. Gleichzeitig erhöht sich auch die Resilienz des Netzes. Heute hängt ein großer Teil des Datenverkehrs im Süden Österreichs davon ab, dass wenige zentrale Standorte funktionieren. Mit einem eigenen Internetknoten entsteht zusätzliche Redundanz im Netz.
Welche Vorteile bringt das konkret für Unternehmen?
Alexander Windbichler: Der wichtigste Vorteil ist Performance. Wenn Daten lokal ausgetauscht werden können, reagieren Anwendungen deutlich schneller. Ein zweiter Punkt ist Stabilität. Durch zusätzliche Netzverbindungen wird die Infrastruktur robuster gegenüber Ausfällen. Und der dritte Punkt betrifft die digitale Souveränität. Wenn Daten stärker innerhalb Europas verarbeitet werden können, reduziert sich die Abhängigkeit von einzelnen globalen Infrastrukturpunkten.
Sie sind auch auf europäischer Ebene aktiv, etwa im Vorstand des Cloud-Infrastrukturverbands CISPE. Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Thema digitale Souveränität?
Alexander Windbichler: Digitale Souveränität wird für Europa ein immer wichtigeres Thema. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wollen sicherstellen, dass ihre digitale Infrastruktur zuverlässig funktioniert und nicht von einzelnen externen Akteuren abhängig ist. Das bedeutet nicht, dass wir nicht international zusammenarbeiten wollen – im Gegenteil. Aber es ist wichtig, dass kritische Infrastruktur und sensible Daten so organisiert sind, dass Europa handlungsfähig bleibt und Systeme jederzeit verlässlich betrieben werden können. Die Möglichkeit zum „Kill Switch“ oder permanenten Einblick in unsere Daten darf es nicht geben. Infrastruktur wie ein Internet Exchange Point kann dabei helfen, weil Daten stärker innerhalb Europas ausgetauscht werden können und weniger von einzelnen zentralen Netzknoten abhängig sind.
Welche Anwendungen profitieren besonders von dieser Infrastruktur?
Alexander Windbichler: Wir haben dann ein Ökosystem, mit dem man wirklich ordentlich arbeiten kann. Auch in Großstädten ist es nicht selbstverständlich, dass ich sofort auf internationale Trassen in Zugriff komme. Dadurch können sich sämtliche Geschäftsmodelle entwickeln. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass sich Rechenzentren ansiedeln oder dass KI-Infrastruktur entsteht. Ein Beispiel außerhalb klassischer IT ist die Telemedizin. Wenn medizinische Systeme oder Operationsroboter miteinander kommunizieren, sind sehr niedrige Latenzzeiten entscheidend. Ähnlich ist es in der Industrie, etwa beim Industrial Internet of Things. Dort kommunizieren Sensoren, Maschinen und Steuerungssysteme permanent miteinander. Solche Anwendungen brauchen schnelle und stabile Datenverbindungen. Und genau dafür schafft Infrastruktur wie ALPSiX die Grundlage.